Programm [ soundcheck philosophie ] #2

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Programm [ soundcheck philosophie ] #2
9. bis 10. Juni 2012 in Halle an der Saale (als pdf)

Sa, 9.6.2012 | Teil 1 Das Denken veranschaulichen… |
Teil 2 Das Denken verkörpern? | So, 10.6.2012 | Interne Workshops mit Voranmeldung

Samstag, 09.06.2012
alle Veranstaltungen an diesem Tag in der Kulturinsel/
Große Ulrichstraße 51, 06108 Halle – Finden auf GoogleMaps

14.30 – 18 Uhr
Öffentliche Tagung: Sagen oder Zeigen
ORT: „SCHAUFENSTER“ – Kulturinsel (Eintritt frei)

Akteure der performativen Philosophie aus dem deutschsprachigen Raum stellen ihre Ansätze zur Diskussion. Was kann man sich unter „phänomenologischer Tanzforschung“ vorstellen? Welche Form der Erkenntnis wird angesprochen, wenn man ein Begriffssystem tatsächlich mit seinen Händen begreifen kann, d.h. wenn man z.B. aus einem Bastelbogen Kants „Kritik der reinen Vernunft“ dreidimensional zusammenbaut? – Welche Einsichten werden durch die Veranschaulichung von Begriffssystemen ermöglicht? Wie hängen Textstrukturen und Körperlichkeit zusammen? Die Tagung gibt Raum, der Avantgarde unter den Philosophie-Performer/innen zu lauschen und vielleicht auch selbst an neuen Formen des öffentlichen Denkens zu basteln. Das Schaufenster wird zum Denkraum…

Ablauf Tagung: Sagen oder Zeigen

14:30 – 14:40 Uhr
Begrüßung durch die Veranstalter

Teil 1
Das Denken veranschaulichen…
Experimente und Konzepte

14:40 – 15:00 Uhr
Hanno Depner
Philosophieren nach der Schrift. Was heißt: Sich mit einem operativen Diagramm orientieren?
„Kant für die Hand. Die ‚Kritik der reinen Vernunft’ zum Basteln und Begreifen“ lässt Philosophie auf ungewöhnliche Weise anschaulich werden. Beim Zusammensetzen des im Buch enthaltenen Bausatzes erschließen sich dem bastelnden Leser Schritt für Schritt Hintergründe, Aufbau, Begriffe und Argumente. Kants Gedankengebäude lässt sich nach wenigen Stunden buchstäblich be-greifen und mit einem Blick er-fassen.
Die didaktische und populärphilosophische Funktion des Buch-Bausatzes ist unbestritten. Darüber hinaus zeitigt gerade der Bastelprozess auch kritische, aufklärerische Effekte. Im Vortrag, der Momente eines Kant-Crashkurses integriert, wird zudem der epistemologische wie medientheoretische Wert von „Kant für die Hand“ entfaltet und die Frage nach der Zukunft der Philosophie im Zeitalter der schwindenden Dominanz der Schriftlichkeit gestellt.

15:00 -15:10 Uhr
Martin Dornberg / Rainer Totzke
Workshop- Präsentation:
„DENKEN – SCHAU-/BILD – PERFORMANZ“
Wie funktionieren und welchen Status haben Schaubilder in philosophischen Argumentationen, in Kreations- und Vermittlungsprozessen von philosophischem Denken.
Lässt sich mit ihnen anderes/mehr zeigen, als der sprachlich-propositional verfasste Text zu sagen vermag?
Gibt es so etwas wie „visuelle Evidenz“? Wenn ja: was macht diese aus und wie ist sie performativ eingebettet?
Kurzpräsentation der Ergebnisse eines Workshop, der zu diesem Thema im März 2012 in Freiburg stattfand.

15:10-15:30 Uhr
Alice Koubová, Milena Fridmanová
„Wie und wo: schöpferische Zweideutigkeit – Experimentalbeitrag“
Inhalt dieses Doppelbeitrages ist die Untersuchung von zwei dramatischen Figuren, die aus zwei verschiedenen philosophischen Texten und den hierzu erschienenen Interpretationen entstehen, also aus zwei Ebenen der Immanenz und ihnen zugehörigen vor-philosophischen Intuitionen. Ist es möglich, zwei verschiedene Intuitionen – in dieser Untersuchung sind dies die Themen der Sehnsucht (Wie?) und des Topos (Wo?) – zusammenzubringen?
Was für ein Feld von Interaktion ergibt sich zwischen diesen Intuitionen? Wie stellt sich ein philosophisches Gespräch in der Form eines dramatischen Experiments dar?
Die These dieser Untersuchung ist, dass der Sinn dieser Interaktion nur gezeigt, und nicht gesagt werden kann.

15:30 – 16:00 Uhr Diskussion Teil 1

Teil 2
Das Denken verkörpern?
…Ansätze und Erprobungen

16:15 – 16:35
Mónica Alarcón
„Tanz als phänomenologische Forschung“
Der Körper fungiert in unserem Alltag als leiser Begleiter aller unserer Handlungen und Aktionen, und wir bemerken ihn meist erst, wenn nicht funktioniert, beispielsweise bei Krankheit oder Schmerz: und dann stört er.
Der Tanz – verstanden als ein Experimentierfeld moderner Kultur – bietet eine signifikante Erweiterung einer Phänomenologie der Leiblichkeit, die in ihrer Herangehensweise über Alltag und Krankheit hinausgeht.
Denn der Tanz kann wie ein Vergrößerungsglas agieren, welches die sinnlichen Formen und Strukturen – unter denen wir uns selbst und die Welt erleben – anders und neu sichtbar macht.

16:35 – 16:55
Martin Dornberg
„Peau/Plie: Zwei Projekte künstlerischer Forschung im Bereich performativer Philosophie“
Es werden zwei aktuelle Projekte künstlerischer Forschung im Bereich performativer Philosophie vorgestellt: eine Skypeperformance im Theater Freiburg und eine Rauminstallation im „Schaufenster“ in Sélestat.
Die sich aufeinander beziehenden Projekte thematisieren die Themen „Haut“ (Anzieu), „Umwelt/Medium“, „Falte“ (Deleuze) mit performativen, medienkünstlerischen und philosophischen Mitteln. Während in der Skype-Performance ein Schauspieler und ein Tänzer über eine Skypeverbindung interagieren und die genannten Themen transdisziplinär vor Publikum bearbeiten, werden Bilder, Töne, Materialien und Texte der Freiburger Performance in Form einer Rauminstallation in Sélestat (Elsaß) beobachtbar gemacht und über längere Zeit ausgestellt.
Beide Projekte werden kurz auch im Hinblick auf ihre Art philosophische, künstlerische, performative und forschende Elemente zu nutzen, diskutiert. (siehe http://www.metaspace.de/Main/PeauPlie )

16:55 – 17:25
Veronika Reichl, Eva Maria Gauß
Workshop – Präsentation: „Textstrukturen und Bilddenken – Ansätze zu Lecture Performances über philosophische Texte.“
Kurzpräsentation der Ergebnisse eines Workshop,der zu diesem Thema im März 2012 in Halle stattfand. Mit Workshop-Präsentationen von

Kati Hannken-Illjes: „Ein Gesindel von Hindernissen.“ Eine Lecture Performance zu Vilém Flusser: Die Geste des Schreibens“

Rainer Totzke: „Etwas mit Absicht tun und sich daran erinnern“ – Lecture Performance zu Ludwig Wittgenstein „Philosophische Untersuchungen“
§§ 641-649

Britta Schulze: TextKlangBild – ein Sprachspiel mit
L. Wittgenstein und V. Flusser

17:25 – 18:00 Diskussion Teil 2

19.30 Uhr
CORPUS DELICTI – Denken, ein Ort des Verbrechens
Arno Böhler, Susanne Valerie Granzer/ Wiener kulturwerkstätte GRENZ_film
ORT: PUPPENTHEATER/Kulturinsel (Eintritt 5 Euro)

Am 30. Juli 1881 schreibt Friedrich Nietzsche aus Sils-Maria eine Postkarte an seinen Freund Franz O.: „Ich bin ganz erstaunt, ganz entzückt! Ich habe einen Vorgänger und was für einen! Ich kannte Spinoza fast nicht: dass mich jetzt nach ihm verlangte, war eine ‚Instinkthandlung.’ Nicht nur, dass seine Gesamttendenz gleich der meinen ist – die Erkenntnis zum mächtigsten Affekt zu machen– in fünf Hauptpunkten seiner Lehre finde ich mich wieder […]: er leugnet die Willensfreiheit–; die Zwecke–; die sittliche Weltordnung–; das Unegoistische–; das Böse–; […] In summa: meine Einsamkeit […] ist wenigstens jetzt eine Zweisamkeit – Wunderlich! Übrigens ist mein Befinden gar nicht meinen Hoffnungen entsprechend. […] Schon 6 schwere, zwei- bis dreitägige Anfälle!! – In herzlicher Liebe, Euer Freund.“ Franz O. liest die Postkarte – wieder und wieder. Ihre Botschaft über die abgründige Zweisamkeit der beiden Denker Spinoza & Nietzsche lässt ihn nicht mehr los. Sie katapultiert ihn in eine Philosophie der Körperlichkeit, in der er das Denken als Modus des Begehrens zu denken lernt – als eine Art Streben der Körper, sich kraft ihres Denkens am Sein zu erhalten. Doch dieses Affekt-Bild des Denkens stößt beim Chor der Gesetzeshüter auf Widerspruch. Er beginnt Franz O. den Prozess zu machen.

21.00 Uhr
„Es gibt das erste nur, wenn es das zweite gibt…“
experimentelle Symbolverarbeitung nach Wittgenstein
Karl-Heinz Heydecke (Musik/Lautpoesie), Britta Schulze (Live-Malerei), Kurt Mondaugen/Rainer Totzke (Konkrete Philosophie)
ORT: „SCHAUFENSTER“ / Kulturinsel (Eintritt 5 Euro)

Was lässt sich sagen? Und was lässt sich (nur) zeigen? – Der Philosoph Ludwig Wittgenstein hat sich immer wieder mit den Darstellungsmöglichkeiten und der gegenseitigen Beziehung von gestischem, musikalischem, bildlichem und sprachlichem Ausdruck, sowie von Kunst und Philosophie beschäftigt.
Die Performance „Es gibt das erste nur, wenn es das zweite gibt…“ (Wittgenstein) nimmt diese Thematiken in praktischer Weise auf und erprobt, was geschieht, wenn philosophische Reflexionen über Zeichenprozesse selber in ein transformierendes Wechselspiel zwischen Bild, Sprache, Stimme, Musik, Schrift geraten, wenn „Sagen“ und „Zeigen“ sich ineinander kreuzen.
Die Performance setzt einen improvisativen Prozess in Gang, bei dem jedes Ereignis zur subversiven Partitur für das andere wird: Musik evoziert Farbe und Kontur auf der Leinwand, das Bild die Interaktion von Stimme und philosophischem Text, Schriftzeichen projizieren sich über Malerei zurück in Lautpoesie und Klang.

Sonntag, 10.06.2012

alle Veranstaltungen an diesem Tag im Thalia Theater/
Kardinal-Albrecht-Straße 7 – 06108 Halle – Finden auf GoogleMaps

interne Workshops am Vormittag (nur nach Anmeldung)

zur Frage „Ist performative Philosophie künstlerische Forschung?“

per.SPICE!
Impulsbeitrag interner Workshop von Julian Klein

The spice of perception, die Würze unserer Wahrnehmung, ist das ästhetische Erleben. Auf ihm beruht die künstlerische Erfahrung, mit deren Hilfe wir uns ästhetisch und künstlerisch zugängliches Wissen erschließen können. Julian Klein ist Regisseur und Komponist, leitet das Institut für künstlerische Forschung Berlin und ist Gründungsmitglied der internationalen Society for Artistic Research. Er wird anhand konkreter Arbeiten seinen Ansatz der künstlerischen Forschung in Bühnenproduktionen erläutern.

Ausflüge des Denkens
Impulsbeitrag interner Workshop von Anke Haarmann

Sowohl die Philosophie wie auch die Kunst suchen nach neuen zeitgenössischen Formen, die ihre jeweiligen Tätigkeiten als Forschung oder Reflexion in dem Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stellen. Die „Ausflüge des Denkens“ sind Versuche, das Philosophieren und das „Kunsten“ buchstäblich und in der Form auf den Weg und an die Orte ihrer Auseinandersetzung zu bringen. In Hamburg haben „Ausflüge des Denkens“ zum Thema Kultur und Natur stattgefunden und werden vorgestellt.

Sonntag, 10.06.2012

alle Veranstaltungen an diesem Tag im Thalia Theater/
Kardinal-Albrecht-Straße 7 – 06108 Halle – Finden auf GoogleMaps

12.00 Uhr – 13.30 Uhr
[soundcheck philosophie ] Matinee
ORT: Thalia Theater, Foyer (Eintritt frei)

Einblicke und Ausblicke in die performative Philosophie.
Mit [soundcheck philosophie] #2 endet das von der VolkswagenStiftung geförderte Festival-Projekt, mit dem Möglichkeiten erkundet werden sollten, das Denken auf die Bühne zu holen. Dazu waren in 2011 und 2012 unterschiedliche Philosophie-Performance-Praktiker/innen eingeladen, sich in Halle der Öffentlichkeit vorzustellen. Zum Abschluss gilt es nun, in der Matinee einen Ausblick zu wagen, welchen Formen des theatralen/ performativen Philosophierens und welchen Formaten des Diskutierens die Zukunft gehört.
Die Veranstalter laden ein zu Vortrag, Gespräch und work-in-progress-Demonstrationen…

12:00 – 12:15
Eva Maria Gauß
Körper-Denken. Var. Nr. 1
In welchem Verhältnis stehen wir zu einem Text, wenn wir versuchen ihn zu begreifen? Anhand einer Textpassage der Phänomenologie des Geistes von Hegel werden verschiedene Zugänge für das körpergebundene Verstehen und Kommunizieren über Theorie gezeigt – und damit ein Blick darauf geworfen, wie Theorie im Verstehen in den Körper übergeht und wie dies im Rahmen eine Lecture Performance – je nach intendierter Verständigung – aufscheinen könnte.

12:15 – 12:30
Veronika Reichl – Subtrahieren und Addieren mit Hegel und Deleuze – Ausschnitt aus einer Lecture-Performance
Philosophischer Text vollzieht sich in Denkfiguren und in Satzkonstruktionen. Das Denken tritt in eine Form gegossen auf.
Diese Form kann selbst als ein Inhalt gelesen und auf eine Bühne gestellt werden.
Für zwei kurze Textpassagen von Hegel und Deleuze untersucht Veronika Reichl die formale Konstruktion, und wie sich die Form den Inhalten annähert, wie sie sich in den Inhalten spiegelt oder den Inhalten zu widersprechen scheint.

anschließend
FAZIT- AUSBLICK
Diskussion zur performativen Philosophie:
(Fishbowl)
u.a. mit Susanne Granzer/ Arno Böhler (Veranstalter von „Philosophy on Stage“, Wien)

13.30 Uhr-14.30 Uhr
Configurazione di Sign-art-our
Mit Aurelia Baumgartner (Konzept, Tanz, Video), Silvio Cattani (Malerei), Vincenzo Lapertosa (Tanz, Schauspiel)
ORT: Thalia Theater Puschkinsaal (Eintritt 5 Euro)

Die Performance ist eine Synthese von Tanz und Bildender Kunst und gibt Einblick in die Struktur von Schöpfungsprozessen. „Configurazione di Sign-art-our“ kreist um den Begriff der Signatur.
In der Kunst ist die Signatur die Urheberangabe eines Künstlers auf seinem Werk. Doch was bedeutet diese Unterschrift? Wer setzt Zeichen? Kann man ein Kunstwerk einem Urheber zuschreiben oder entsteht es nicht unter unaufhörlichen Einflüssen im Prozess der Schöpfung? Dem willentlichen handelnden Mensch geht die Eigenständigkeit des Körpers voraus.
Die Performance ist eine Verbindung von gemaltem Bild, Virtualität von Videos und den eigenständigen Körpern der Tänzer.

17:00 Uhr
Denkkino II
Animationsfilme zu Wahrnehmung und Verstehen
Vorführung von Filmen und Gespräch mit Veronika Reichl und Oliver Lerone Schultz
ORT: PuschKino (= im Thalia Theater) / Koop. mit LuxKinos
(Eintritt erm. 5 Euro / 6 Euro normal)

Kann man mit Bildern theoretisch denken? Kann man philosophische Gedanken in Filmbilder „übersetzen“ oder sie mit Film „interpretieren“? Haben philosophische Texte eine sinnliche Dimension? Denkkino II experimentiert mit diesen Fragen.
In fünf Animationsfilmen beschäftigt sich Veronika Reichl mit kurzen Passagen aus philosophischen Originaltexten von Bachelard, Hegel, Heidegger, McLuhan und Sartre. Alle Texte behandeln Aspekte des Themas „Wahrnehmen und Verstehen“.
In den Filmen und in einem Gespräch zwischen der Filmemacherin Veronika Reichl (Berlin) und dem Medien- Methoden- und Visionenforscher Oliver Lerone Schultz (Berlin/Lüneburg, Post-Media Lab/Moving Image Lab) geht es um die Möglichkeit in Bildern zu denken und um philosophische Motive, die mit Wahrnehmen und Verstehen verbunden sind, wie zum Beispiel die Leerstelle in der Wahrnehmung, die Aggressivität des Blickes etc.

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